Die korrekte Verwendung deutscher Verben mit Präpositionen (kurz: VmP) bereitet hispanophonen DaF-Lernenden bedeutende Schwierigkeiten. Bei VmP handelt es sich um lexikalisierte Verbindungen aus einem Verb und einem von diesem Verb regierten Präpositivkomplement (z. B. warten auf etwas/jemanden) oder präpositional (jemanden halten für etwas/jemanden) bzw. adjunktorisch angeschlossenen Prädikativkomplement (gelten als jemand/etwas). Bei zahlreichen Verbindungen kann darüber hinaus die jeweilige Bedeutung weder aus der Semantik des Verbs noch aus der Präposition hergeleitet werden (rechnen mit jemandem/etwas).
Die Schwierigkeiten der Lernenden im Umgang mit VmP äußern sich vor allem durch Auslassungen, Verwechslungen oder Hinzufügungen von Präpositionen, die Verwendung des falschen Kasus bei Wechselpräpositionen sowie durch Probleme mit dem Präpositionaladverb. Diese Problematik ist auf das Zusammenspiel aus intra- und interlingualen sowie externen Faktoren zurückzuführen, die in dieser Arbeit untersucht werden. Das Hauptziel besteht darin, auf der Grundlage verschiedener empirischer Methoden spezifische VmP-Listen für die Niveaus A1 und A2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) zu erarbeiten, da derartig erstellte VmP-Listen noch nicht vorhanden sind.
Zur Erforschung der Gebrauchsschwierigkeiten der hispanophonen DaF-Lernenden wird im ersten Forschungsteil das Lernerkorpus MERLIN ausgewertet. Auf diese Weise wird ermittelt, wie häufig dieser Lernergruppe Fehler mit VmP unterlaufen und welcher Art diese Fehler sind (Fehlertypen). Im Rahmen einer anschließend durchgeführten Fehleranalyse innerhalb des Deutschen sowie einer kontrastiven Analyse aus Sicht des Spanischen lassen sich die meisten festgestellten Fehler auf intra- und interlinguale Faktoren zurückführen, worunter die Komplexität dieses sprachlichen Phänomens im Deutschen und Interferenzen aus dem Spanischen hervozuheben sind.
Als externer Faktor wird im zweiten Forschungsteil die Behandlung von VmP in den folgenden DaF-Lehrmaterialien auf den Niveaus A1 und A2 eruiert: drei DaF-Lehrwerke einschließlich der Deutsch-Spanisch-Glossare, Profile deutsch (Glaboniat et al. 2005), die offiziellen Wortlisten des Goethe-Instituts sowie DaF-Übungsgrammatiken. Anhand dieser Untersuchung werden erhebliche Defizite und Inkonsistenzen hinsichtlich der Thematisierung von VmP aufgedeckt. Während der Überprüfung wird zugleich eine Liste, die sogenannte Basisliste, zusammengestellt. Sie enthält die VmP, die basierend auf den ausgewerteten Lehrmaterialien für das A-Niveau als relevant erachtet werden.
Im dritten Forschungsteil wird die Vorkommensfrequenz der VmP der Basisliste mittels des Deutschen Referenzkorpus (DeReKo) recherchiert. Ziel der Frequenzanalyse ist es, die 30 bis 40 frequentesten VmP der Basisliste zu ermitteln, um in Abgleich mit den A1-Lehrmaterialien eine spezifische VmP-Liste für das Niveau A1 zu schaffen. Zuvor gilt es jedoch, adäquate Suchstrategien zu entwickeln, um VmP in großen Korpora, die über keinerlei Dependenzannotationen verfügen, mit einer möglichst hohen Vertrauenswahrscheinlichkeit erfassen zu können. Dabei stellen sowohl die diffizile Unterscheidung zwischen adverbialen und verbdependenten Präpositionalphrasen als auch homonyme und homofone Wörter bei zahlreichen VmP eine Herausforderung dar.
Nach Abschluss der Recherchen im DeReKo-Gesamtkorpus (= Archiv W) werden die Frequenzen derselben VmP in dem wortartenannotierten Teilkorpus TAGGED-T überprüft, um die Qualität der Untersuchung zu steigern. Die Ergebnisse zeigen, dass der Großteil der frequentesten VmP in beiden Korpora übereinstimmt, was die Erstellung der A1-Liste mit 30 VmP begünstigt. Die verbleibenden Verben der Basisliste bilden die VmP-Liste für das A2-Niveau.
Abschließend werden beide Listen mit leicht veränderten Beispielsätzen aus MERLIN und den analysierten Lehrwerken ergänzt sowie die spanischen Äquivalente hinzugefügt. Die Hauptfunktionen dieser Listen sind die Vereinheitlichung der VmP auf A-Niveau und die Orientierung für Lehrende, Lernende und Verlage.
Zudem wird dafür plädiert, VmP bereits auf Niveau A1 einzuführen, um ein Bewusstsein für dieses komplexe Phänomen im Deutschen bei den Lernenden aufzubauen und auf diese Weise Fehlern entgegenzuwirken. Dazu werden am Ende der Arbeit konkrete didaktische Empfehlungen formuliert.
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