Die amerikanische Besatzungspolitik im Nachkriegsdeutschland war gekennzeichnet durch das Fehlen klar definierter Zielvorgaben. Aber gerade weil den amerikanischen Behörden Erfahrung im Umgang mit den Angelegenheiten anderer Nationen fehlte, eröffnete sich für einzelne Personen, die geeignete Qualifikationen und persönliche Initiative mitbrachten, die Möglichkeit, die Besatzungspolitik ganz entscheidend zu beeinflussen. Edward Y. Hartshorne, ein Harvard-Soziologe und ehemaliger Offizier des Geheimdienstes während des Krieges, besaß die richtigen wissenschaftlichen und persönlichen Qualifikationen, um die Wiederöffnung der deutschen Universitäten zu koordinieren und eine Denazifizierung dieser Institutionen zu betreiben. Zunächst ließ er die medizinischen Fakultäten wiedereröffnen. Mit Hilfe der dort erarbeiteten Direktiven setzte er dann wesentlich früher als erwartet eine Öffnung aller Universitäten in der gesamten amerikanischen Besatzungszone durch und trug damit zu einer erhöhten Glaubwürdigkeit der amerikanischen Besatzungspolitik bei. Nur sein früher Tod im Jahre 1946 verhinderte, daß er zu einer der herausragenden Persönlichkeiten der Besatzungszeit und des öffentlichen Lebens in den Vereinigten Staaten werden konnte
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