Der vorliegende Artikel unternimmt die Herausarbeitung einer orthographischen Gebrauchsnorm, die in akrolektalen Handschriften des ausgehenden 18. Jahrhunderts zutage tritt und die sich in relevanten Aspekten von der die Druckwerke bestimmenden Akademie-Norm unterscheidet. Die empirische Analyse beruht auf einer in Arbeit befindlichen kritischen Edition der 38 Antworten, die der Abbé Grégoire 1790-1792 im Rahmen seiner Enquête erhalten hat. Nach einer kurzen Darstellung des Quellenwerts der Enquête sowie ihrer Überlieferungs- und Editionslage werden sieben zentrale Parameter der Orthographie (Zeichensetzung, Grossbuchstaben, Worttrennung, Akzentsetzung, graphematische Varianz bei Einzelwörtern, Accord, Regionalwortschatz) untersucht, wobei drei mehr oder weniger normnahe Schreibergruppen unterschieden werden. Die Beschreibung der handschriftlichen Norm wirft zum einen ein neues Licht auf den Entwicklungsgang der französischen Orthographie; zum andern bietet sie einen neuen und adäquaten Vergleichspunkt zur sprachwissenschaftlichen Beschreibung von Non-Standard-Texten.
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