Der Titel des vorliegenden Bandes ,Wer ist weise? Der gute Lehr von jedem annimmt.' stammt aus der Mischna. Moses Mendelssohn war es, der diese Worte am 26. Oktober 1771 in ein Stammbuch schrieb (Mendelssohn-Jubiläumsausgabe Bd. 6/1, S. 191). Wie die drei anderen "Lehrsprüche der Rabbiner", die Mendelssohn notierte, verknüpft auch die für den Titel verwendete Zeile scheinbar Gegensätzliches. Weisheit - so könnte man meinen - besteht doch im eigenen, selbständigen Denken, nicht in der Abhängigkeit von den Lehren anderer. Der Lehrspruch von Ben Soma nötigt zum Überdenken dieser verbreiteten Meinung. Die Einsichten anderer für sich selber nutzbar zu machen und dadurch klüger zu werden, kann in der Tat einem Streben nach bloßer Originalität vorzuziehen sein. Die von Mendelssohn gewählten Worte, so altehrwürdig sie auch sind, spielen damit auf den Begriff des Selbstdenkens an, einen zentralen Begriff der deutschen Aufklärung. Auch ,Selbstdenken' ist keineswegs mit Originalität gleichzusetzen. Jeder, der Lehrsätze selbständig durchdenken kann, denkt selbst, ganz gleich, woher die Lehrsätze stammen mögen. Allerdings stellt sich dabei die Frage, wie man angesichts der Überfülle fremder Lehren die Übersicht behalten soll, wie man "gute Lehr" erkennen kann bzw. wie man auswählen soll.
págs. 9-13
,Weltweisheit‘: marginalien zum Philosophiebegriff der deutschen Aufklärung
págs. 17-29
Zur Funktion der „humana industria“ in den Regulae ad directionemingenii: die Bedeutung der geistigen Geschicklichkeit für die Gewin-nung wissenschaftlicher Erkenntnis in Descartes’ Frühphilosophie
págs. 31-46
„Visuelles Denken“: Rudolf Arnheim und die moderne Erkenntnis-theorie
págs. 47-67
Neurophänomenologie: ein Beispiel gegenseitigen, Annehmens‘ zwi-schen Natur- und Geisteswissenschaften
págs. 69-79
págs. 83-97
págs. 99-113
Wolff und Kant: von der heterogenen Natur der Logik zur formalenund reinen Natur der Logik
págs. 117-131
L’ermeneutica come fondamento della rivelazione: il Grundriß di Johann Gottlieb Töllner
Luigi Cataldi Madonna
págs. 133-157
págs. 161-171
Plädoyer für Unbekannt: bemerkungen zum Streit der vier Fakultätenim vorkantschen Gelehrtenschrifttum
págs. 173-184
págs. 185-212
David Humes History of England: Räsonierte Geschichtsschreibung für eine neue politische Kultur
págs. 213-231
Moses Mendelssohn als Spinozas Kritiker und als Verteidiger von Les-sings „gereinigtem Pantheismus“
Raffaele Ciafardone
págs. 235-246
„Mit einem Worte, wir sind litterati, Buchstabenmenschen.“: Schrift und Vernunft bei Moses Mendelssohn und Salomo Friedländer/Mynona
págs. 247-261
Omnia videre in Deo: Ploucquet und Kant über Malebranche
págs. 264-275
Comunicabilidad y gusto: fragmentos de Kant sobre estética
págs. 277-295
Kein prometheisches Spinoza-Ich: differenzierte Betrachtungen über ein personales Amalgam
págs. 299-315
págs. 317-328
Der Mensch: verschwindend klein: über spekulative Metaphysik, Nicht-Absolutes und unsere Schwierigkeiten damit
págs. 331-346
Individualgericht und das Ende der Geschichte: die Exempelerzäh-lung ,Udo von Magdeburg‘ als Abschluss des cgm 5
págs. 347-368
págs. 371-388
págs. 389-394
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