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Anna Seghers’ Erzählung Der Ausflug der toten Mädchen: Temporale Vielschichtigkeit durch Anachronie und Erinnerung

    1. [1] University of Innsbruck

      University of Innsbruck

      Innsbruck, Austria

  • Localización: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik: Lili, ISSN 0049-8653, Vol. 54, Nº. 4, 2024 (Ejemplar dedicado a: Sprachgeschichte der frühen Frauenbewegungen - Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg), págs. 809-826
  • Idioma: alemán
  • Títulos paralelos:
    • Anna Seghers’ Narrative Der Ausflug der toten Mädchen: Temporal Complexity through Anachrony and Memory
  • Enlaces
  • Resumen
    • English

      From the perspective of textualist discourse linguistics, Anna Seghers’ narrative Der Ausflug der toten Mädchen (The Excursion of the Dead Girls) offers a multifaceted narrative structure between analepsis and prolepsis. In the analepsis, the characters are retrospectively described by the first-person narrator Netty during a class trip to the Rhine, simultaneously foreshadowing their future deadly fate in this memory space. Seghers’ exile in Mexico provides the narrative starting point. The uniqueness of the narrative and memory levels of the story is the issue of this article, with a focus on the temporal complexity of the narrative structure.

      Through a complex interplay between the narrative starting point, prolepses and analepses on one hand, and differently constructed memory levels on the other, the presumed autobiographical narrative Der Ausflug der toten Mädchen emerges, where the boundary between the first-person narrator Netty Reiling and the author Anna Seghers becomes blurred. In her auctorial function, the first-person narrator Netty follows Genette’s conceptualization of temporal anachrony to create different temporal layers within the diegesis, in connection with the ›Vanitas tradition‹. Various modes of reminiscence enhance this temporal complexity.

    • Deutsch

      ZusammenfassungAus der Perspektive der textualistischen Diskurslinguistik bietet Anna Seghers Erzählung Der Ausflug der toten Mädchen eine vielschichtige Erzählstruktur zwischen Analepsen und Prolepsen in der Analepse: Die Figuren werden rückblickend auf einen Klassenausflug an den Rhein durch die Ich-Erzählerin Netty beschrieben, wobei gleichzeitig auch ihr zukünftiges tödliches Schicksal, das sie in diesem Erinnerungsraum ereilen wird, angekündigt wird. Den Erzählrahmen bildet Seghers Exilaufenthalt in Mexiko. Die Besonderheit der Narrations- und Erinnerungsebenen der Erzählung ist Gegenstand dieses Beitrages und wird insbesondere mit Augenmerk auf die temporale Vielschichtigkeit der Erzählstruktur untersucht: Durch ein komplexes Wechselspiel zwischen dem erzählerischen Ausgangspunkt, Prolepsen und Analepsen einerseits, und durch unterschiedlich angelegte Erinnerungsebenen andererseits, entsteht die vermutlich autobiografische Erzählung Der Ausflug der toten Mädchen, in der sich die Grenze zwischen der Ich-Erzählerin Netty Reiling und der Autorin Anna Seghers auflöst. Die Ich-Erzählerin Netty folgt, in ihrer auktorialen Funktion, Genettes Ordnungsbegriff der zeitlichen Anachronie, um in der Diegese unterschiedliche Zeitebenen, in Verbindung mit der ›Vanitastradition‹, zu erzeugen. Verschiedene Erinnerungsmodi erhöhen diese temporale Vielschichtigkeit.


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