Die dramatische Versauerung aquatischer Ökosysteme Europas und Nordamerikas im 20. Jahrhundert kann als globales Titrationsexperiment beschrieben werden. Sind saure Depositionen Hauptursache, ist Gewässerversauerung reversibel. Das Langzeit-Monitoring nordhemisphärischer Gewässer zeigt standortabhängig sowohl Verbesserungen wie auch Verschlechterungen versauerungsrelevanter Parameter. Insgesamt deutet sich für Oberflächengewässer eine Entsauerung an, die allerdings noch keine ökologische Erholung impliziert. Prozesse der Aziditrophierung dauern an. Computersimulationen zufolge steht in manchen Regionen die Grundwasserversauerung sogar noch bevor. Zudem beeinflusst das Eutrophierungsexperiment als neuer, ungewollter Großversuch die Gewässersysteme mit unklarem Ausgang. Gewässerversauerung sollte deshalb als schleichender, nur langfristig erkennbarer Prozess und als persistentes Umweltproblem verstanden werden, das weiterer sorgfältiger Überwachung bedarf.
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