Die zweite Kampagne der gemeinsamen deutsch-georgischen Expedition zur Erforschung achämenidisch-transkaukasischer Kontakte in Gumbati, Kachetien, diente vor allem der weiteren Untersuchung der im Vorjahr angeschnittenen ,,GroBen Anlage". Trotz des schlechten Erhaltungszustandes der Lehmziegelmauern konnte jedoch folgender Befund beobachtet werden. Demnach war das Bauwerk rechteckig und hatte Eckverstärkungen zwischen denen an der AuBenseite Risalite vorhanden waren. Die AuBenmauern sind mit 1,90-2,70 m deutlich stärker als die Innenmauern mit Stärken zwischen 1,50 m und 1,90 m. Die Innengliederung konnte jedoch nur im Südteil des Gebäudes deutlich erkannt werden. Die Funktion der Räume kann mittels der Funde bislang noch kaum bestimmt werden. Unter der Prämisse, daB die Anlage mit einem Hof oder einer hypostylen Halle im Zentrum rekonstruiert werden darf, stellt der Bau in Gumbati einen monumentalen Vertreter des persischen Hofhauses dar. Ähnlich ist wahrscheinlich der Zentralbau in der achämenidischen Anlage von Sari-Tepe, Azerbajdzan, zu rekonstruieren.
Ebenfalls in dieser Kampagne wurden weitere Architekturfragmente aus Kalkstein gefunden, so daB mindestens fünf Glockenbasen belegt sind. Diese charakteristische Basenform findet sich nur selten auBerhalb des medisch-persischen Kerngebietes. Aufgrund der vorhandenen Keramik ist das Gebäude im 5. Jh. v. Chr. errichtet worden. Damit handelt es sich bei diesem repräsentativen Bau um den ersten LehmziegelgroBbau Georgiens, der sicher nicht von den einheimischen Iberern errichtet wurde, sondern als eindrucksvolles Zeugnis achämenidischer Herrschaft in Kachetien zu bewerten ist.
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