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Werkzeuge, Waffen, Würdezeichen: Beile und Äxte der Aunjetitzer Kultur in Mitteldeutschland

    1. [1] Universitat Autònoma de Barcelona

      Universitat Autònoma de Barcelona

      Barcelona, España

    2. [2] Landesamt für Denkmalpflege undArchäologie Sachsen-Anhalt
  • Localización: Der soziale Wert prähistorischer Beile: neue archäologische und archäometrische Ansätze: 16. Mitteldeutscher Archäologentagvom 5. bis 7. Oktober 2023 in Halle (Saale) / Robert Risch (ed. lit.), Ernst Pernicka (ed. lit.), Harald Meller (ed. lit.), Vol. 2, 2024, ISBN 978-3-948618-82-7, págs. 510-567
  • Idioma: alemán
  • Títulos paralelos:
    • Tools, Weapons, and Symbols of Dignity: Axes of the Únětice Culture in Central Germany
  • Enlaces
  • Resumen
    • Deutsch

      Die frühbronzezeitlichen Beile und Äxte in Mitteldeutschland werden in Hinblick auf ihre Typologie und Chronologie, vor allem aber ihre Herstellungstechnik, Funktion und Bedeutung ausgewertet. Die Grundlage bilden eine detaillierte Neuaufnahme der Randleistenbeile und gerippten »Doppeläxte« vom Typ Dieskau aus den Hortfunden der Mikroregion um Dieskau, experimentelle Versuche, metallografische Untersuchungen und morphotechnische Auswertungen.

      Die hohe Anzahl und Vielfalt an Beilen und Äxten in der mitteldeutschen Aunjetitzer Kultur demonstriert ihre große Bedeutung. Die größte Gruppe bilden die Sächsischen Randleistenbeile, die vor allem in Hortfunden mit bis zu 300 Exemplaren auftreten. Sie verfügen über eine relativ einheitliche Grundform mit zahlreichen Variationsmöglichkeiten und wurden zentralisiert aus intensiv überschmiedeten Rohlingen hergestellt. Beim Hortfund von Dieskau III lässt sich nachweisen, dass die Beile jeweils von mehreren Handwerkern wohl in einer Werkstatt geschmiedet wurden. Angesichts ihrer zum Teil umfangreichen Gebrauchsspuren wurden die Randleistenbeile offenbar als Werkzeuge und Waffen verwendet, während eine Funktion als Barren und genormte Wertmaßstäbe praktisch auszuschließen ist. Sofern sie Gebrauchsspuren tragen, wurden die Beile der einzelnen Horte vor der Niederlegung auf ähnliche Weise und wohl gemeinsam genutzt. Wahrscheinlich wurden die Beilklingen von den Aunjetitzer Fürsten an die Männer verliehen, die ihnen als Bewaffnete dienten.

      Die gerippten »Doppeläxte« treten ausschließlich in Hortfunden auf. Sie hatten keine praktische Funktion, sondern sind als Statussymbole oder Insignien zu interpretieren, die aber nicht in die Gräber gelangten. Daneben gibt es andere, zum Teil einzigartige Beile und Äxte, die ebenfalls als Statussymbole oder Würdezeichen gedeutet werden können. Dazu zählen zinnbronzene, einst goldfarben glänzende Beile, die sich in wenigen Gräbern – darunter den Fürstengräbern – finden, das frühe Tüllenbeil von Kütten-Dobritz, die Nackenkammaxt von Naumburg und die nordische Axt vom Typ Fårdrup von Löbschütz, aber ebenso zwei importierte »anglo-irische« Randleistenbeile und ihre Imitationen. Diese zum Teil fremden Formen wurden nur außerhalb von Gräbern deponiert.

      Das goldene Beil von Dieskau, das womöglich ursprünglich im monumentalen Grabhügel Bornhöck entdeckt wurde und sicherlich der absoluten Spitze der Aunjetitzer Gesellschaft zuzuordnen ist, stellt ein herausragendes und in der Frühbronzezeit Mitteleuropas fast einzigartiges Statussymbol dar. Weiterhin wurden in den Fürstengräbern und anderen herausgehobenen Gräbern regelhaft neolithische Steinäxte gefunden, die wahrscheinlich zur Legitimation von Herrschaft gedient haben. Auch wenn die Funde über das gesamte mitteldeutsche Verbreitungsgebiet der Aunjetitzer Kultur streuen, sind der besondere Reichtum der Mikroregion Dieskau und die darin zum Ausdruck kommende Macht der dortigen Herrscher vor dem Hintergrund der dort konzentrierten Anzahl und Vielfalt von Beilen und Äxten unverkennbar.

    • English

      In this contribution, the Early Bronze Age axes of Central Germany will be evaluated according to their typology and chronology and, above all, their production method, function, and significance. Our evaluation is based on experimental tests, metallographic investigations, morphotechnical analyses, and a detailed re-examination of the flanged axes and ribbed »double axes« of the Dieskau type from the hoards of the Dieskau microregion.

      The large number and variety of the Central German Únětice axes demonstrate their great importance. The biggest group, the Saxonian flanged axes, mainly stems from hoards that contain up to 300 specimens. Their basic shape is fairly uniform, with numerous variations, and they were centrally produced from cast blanks that were intensively forged. Several smiths were demonstrably involved in the manufacture of each individual axe, probably in a workshop, of the hoard from Dieskau III. According to their occasionally extensive use-wear, the flanged axes served as tools and weapons, whereas an application as ingots and standards of value can pretty much be ruled out. The axes that do show signs of wear had been used in a similar way and probably together before being deposited in various hoards. The Únětice rulers most likely awarded the axeheads to their men-at-arms.

      The ribbed »double axes« are solely known from hoards.

      They had no practical function but are to be interpreted as status symbols or insignia that were not put into the graves.

      Other, sometimes unique, axes may also be interpreted as symbols of status or dignity. Among them are tin-bronze axes (which once shone like gold and were found in a few graves such as the princely graves), the early socketed axe from Kütten-Dobritz, the crest-butted axe from Naumburg, and the Nordic Fårdrup axe from Löbschütz, as well as two imported »Anglo-Irish« flanged axes and their imitations. These partially foreign shapes were only deposited outside of graves.

      The gold axe from Dieskau was an exceptional and almost singular status symbol in the Early Bronze Age of Central Europe. It might originally have been discovered in the monumental burial mound called Bornhöck and certainly belonged to the very top of Únětice society. The princely graves and other outstanding burials often contained Neolithic stone axes that had probably served to legitimise rule. Although the finds stem from the entire Central German distribution area of the Únětice Culture, the particular wealth of the Dieskau microregion and the thus expressed power of the local rulers are obvious in particular against the background of the concentration in number and variety of axes there.


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